Sommerabend
Der Blick aus meinem Fenster vor wenigen Stunden:

Der Blick aus meinem Fenster vor wenigen Stunden:

Heute Vormittag habe ich mit Alex unseren Gutschein für eine Probiertour auf dem Viktualienmarkt eingelöst. Das kann man sich so vorstellen: Strahlend blauer Himmel, ein Stadtführer, der über die Geschichte des Marktes, seine Traditionen und aktuellen Themen berichtet, unterbrochen von feinsten Delikatessen, die wir naschen durften. So z.B. eingelegte Zwiebeln, Oliven, Tomaten und Feta, bzw. Bauernbrot und oberpfälzer Wurstspezialitäten, Augustiner Bier – natürlich – und zuletzt verschiedene Käsesorten. Das ganze ist absolut zu empfehlen und wird von Weisser Stadtvogel angeboten.
Anschließend wollte ich noch “kurz” die Computerprobleme von Alex beheben und hatte wieder reichlich Gelegenheit, über Microsoft zu schimpfen. Folgendes Szenario: Windows Bootvorgang: chkdsk kann nicht ausgeführt werden, bitte starten Sie die Systemwiederherstellung Nach dem Systemstart sagt dann die Systemwiederherstellung: Systemwiederherstellung nicht möglich wegen Fehler im Dateisystem. Bitte starten Sie chkdsk. Alles klar! Wenn man dann nach einer 20-stelligen Ziffernkombination, die in der Fehlermeldung nur 3 Sekunden angezeigt wird, googelt, findet man die Lösung des Problems. (Installations-DVD booten, und dort chkdsk ausführen. Ich habe also wieder reichlich über Redmond geschimpft und behauptet, soetwas würde unter Linux nie passieren.
Drei Stunden später fingen dann die Anrufe an, bei mir aufzulaufen. Mein Mailserver würde keine Nachrichten zustellen. Um es kurz zu machen: Der Virenscanner ClamAV und Debian Lenny deaktiviert sich selbstständig, wenn er älter als ein Jahr ist. Dies war am 16. April um 00:00 Uhr der Fall. Offenbar haben die Leute vergessen, eine aktuellere Version ins Repository zu stellen. Die Updates hätte ich nämlich immer brav gemacht. Hier war die Lösung deb http://volatile.debian.org/debian-volatile lenny/volatile main contrib non-free in der sources.list einzufügen. Trotzdem erbärmlich, das soetwas passieren kann. Der Tag kennt einfach keine Sieger. Zumindest nicht, wenn es um Software geht.
Heute wurde mit viel Tam-Tam die neue Tramlinie 23 eröffnet. Mittags sind die Leute Schlange gestanden, um die fünf Stationen auf und ab zu fahren. Zwölf Stunden hatte ich unser futuristisches Wunderwerk für mich allein:



Wer in München eine kreative Stadtführung erleben will, sollte sich den Namen Stattreisen merken. Dieser Verein bietet eine Fülle von themenbasierten Stadtführungen in und durch München an. Heute hatte ich das Vergnügen, die Führung “Streifzug durch das vorweihnachtliche München” zu besuchen. Dieser Rundgang beschäftigt sich ausschließlich mit bayrischen Weihnachtsbräuchen und den christlichen Festen in der Advents- und Weihnachtszeit. Und da wird es auch schon interessant. Wann ist denn überhaupt die Adventszeit? Und wie lange dauert die Weihnachtszeit? Unsere Stadtführerin – ein echtes münchner Original ließ uns raten, und ich kann schon so viel sagen: Trivial ist die Antwort nicht!
Für mich war überhaupt einiges sehr überraschend. So ist der Weihnachtsbaum vermutlich eine Erfindung von Luther, und in einem guten katholischen Haus gab es nur eine Grippe. So war das jedenfalls im ländlichen Bayern bis zum zweiten Weltkrieg. Der Adventskranz wurde 1839 in Hamburg erfunden und hatte ursprünglich nicht nur vier Kerzen. Der erste Adventskalender wurde 1904 in München gedruckt. Und bis vor 60 Jahren war es durchaus üblich, dass der Heilige Nikolaus und nicht das Christkind in der Nacht auf den 6. Dezember die Geschenke gebracht hat. Eine richtig alte Erfindung sind dagegen Weihnachtsmärkte, die es bereits im 14. Jahrhundert ebenfalls zum Fest des Hl. Nikolaus gab. Nach der Reformation viel dieser Brauch zeitweise in Ungnade und wurde als lutherisch diffamiert.
Noch viel mehr gäbe es zu berichten über Bräuche zum Jahreswechsel, die Weihnachtsgurken, die Mettensau oder bayrische Köstlichkeiten zu den Festtagen. Einen kleinen Vorgeschmack durften auch wir ernaschen: in der Führung war eine Pause mit Glühwein und Lebkuchen enthalten. Und nun zur Auflösung der Frage nach Advents- und Weihnachtszeit.
Die Adventszeit beginnt mit dem Fest des Heiligen Martin am 11. November und dauert bis einschließlich Heilig Abend. Wie jedem christlichen Hochfest geht auch dem Weihnachtsfest eine vierzig-tägige Fastenzeit voraus. Dabei ist zu beachten, dass die vier Adventssonntage keine Fastentage waren. Deshalb: 44 – 4 = 40. Die anschließende Weihnachtszeit dauert nicht etwa bis Heilig-Drei-König, sondern bis Lichtmess, welches am 2. Februar stattfindet. Wer hätte das gewusst?
Lasst uns also fröhlich sein – unter diesem Motto steht der alljährliche Ball der katholischen Münchner Verbindungen, der dieses Jahr nicht im deutschen Theater sondern in einem Zelt in Fröttmaning stattfand. Das Zelt hat dem feierlichen Rahmen keinen Abbruch getan. Ganz im Gegenteil: ich würde sogar sagen, dass es schicker und auch komfortabler ist, als das deutsche Theater, welches zur Zeit renoviert wird.
Der Abend war herrlich und obwohl ich erst vor zwei Monaten operiert wurde, habe ich schon wieder das Tanzbein geschwungen. Nicht durchgehend, aber immerhin. Anschließend hat mir der “gesunde” Fuß mehr weh getan als der andere. Da hat die Orthopädie ganze Arbeit geleistet. Und weil ich nicht ständig tanzen konnte, hatte ich viel Zeit zum Fotographieren:

Dieses Paar war Teil der Showeinlage. Mehr Bilder gibt es hoffentlich bald an dieser Stelle.
Powered by WordPress. Theme: TheBuckmaker. PHP Scriptverzeichnis