Brasilianisch für Anfänger
Obwohl ich jetzt schon zum zweiten Mal in Brasilien bin, sind meine Sprachkenntnisse noch sehr überschaubar. Das freut natürlich die Obsthändler am Markt, weil sie mich so leicht über den Tisch ziehen können. Aber wahrscheinlich müsste man da schon fließend Brasilianisch können, um das Spiel zu beherrschen. Davon bin ich weit entfernt; mein aktiver Wortschatz sieht aktuell ungefähr so aus:
| Olá | Hallo |
| Tudo bem? | Alles in Ordnung? (DIE Begrüßungsformel schlechthin) |
| Tudo bem! | Alles bestens! (die übliche Antwort darauf) |
| Obrigado | Danke |
| Boa noite! | Gute Nacht/Auf Wiedersehen |
| Picanha | Rumpsteak |
| Alcatra | obere Rinderlende |
| Maminha | mittlere Rinderlende |
| Fraldinha | untere Rinderlende |
| Mais, por favor! | Mehr, bitte! |
Wer sich jetzt wundert, wo ich Brasilianisch lerne, dem sei eine landestypische Köstlichkeit empfohlen: das Rodizio. Darunter versteht man hier ein Grillrestaurant, in dem die Kellner ständig mit den köstlichsten Fleischspießen zwischen den Tischen patroullieren. Am Anfang erhält jeder Gast eine runde Marke, deren zwei Seiten mit “Sim, por favor!” und “Nao obrigado!” beschriftet sind. Rot und grün, die Farben sind selbsterklärend. Da das Fleisch nicht selbsterklärend ist, erhält man einen kleinen Ratgeber dazu. Wer auch immer die Grimmsmärchen erfunden hat, es gäbe im Schlaraffenland keinen Griesbrei, wenn der Autor einmal beim Rodizio gewesen wäre…


















Die brasilianischen Gründerväter haben sicher nicht an den Straßenverkehr gedacht, als sie Ordem et Progresso – Ordnung und Fortschritt – zum Wahlspruch erhoben. In der Rush-Hour von Sao Paulo ist nämlich von beidem nicht viel zu sehen. Und die Rush-Hour erstreckt sich gefühlt von 7:00 Uhr – 21:00 Uhr jeden Tages. Das ist auch kein Wunder bei der explosionsartigen Entwicklung der Einwohnerzahlen, die wohl nur noch von der Entwicklung der angemeldeten Kraftfahrzeuge übertroffen wird. Mobiler ist Sao Paulo dadurch nicht geworden, haben sich doch die Straßen im selben Maße zu immer mehr zu überdimensionierten Standstreifen entwickelt. Um das Verkehrsaufkommen wenigstens etwas in Griff zu bekommen, gibt es jetzt in der Innenstadt ein Fahrverbot für die Kernzeiten morgens 7-10 Uhr und Abends 17-20 Uhr. Abhängig von der ersten Ziffer des Nummernschildes muss jeder sein Auto an einem Arbeitstag der Woche in dieser Zeit stehen lassen. Bei Nichtbeachtung werden empfindliche Bußgelder verhängt. Und voila: 20 Prozent weniger Verkehrsaufkommen ohne einen einzigen Real Kosten. Eine Maßnahme, die einfach, effektiv und in Deutschland völlig unvorstellbar ist!