Der Herr auf dem alten 10-Mark-Schein hat mir heute indirekt eine sehr angenehme Überraschung bereitet. Aber das konnte er natürlich nicht wissen, als er vor über 200 Jahren die Normalverteilung entdeckt hat. Wer schon Kontakt mit Wahrscheinlichkeitstheorie hatte, wird sicher die Glockenkurve, wie sie auch auf den letzten deutschen Banknoten zu sehen ist, kennengelernt haben. Diese Kurve beschreibt die Verteilung der Ergebnisse einer bestimmten Art von Zufallsexperimenten:
Wir werfen eine faire Münze 100 Mal, und zählen die Ausgänge “Kopf”. Wie wahrscheinlich ist es, genau 50, 51, oder 75 Ausgänge “Kopf” zu beobachten?
Das Beschriebene Experiment ist eine diskrete Variante eines solchen Experiments, dass sich dadurch auszeichnet, dass wiederholt ein Versuch (= Münzwurf) mit einer festen Erfolgswahrscheinlichkeit (= 1/2 für Kopf) durchgeführt wird. Zählt man nun die Erfolge, so ist deren Anzahl auf eine sehr einfache Art verteilt. Erwartet sind 50 Ausgänge “Kopf”, aber es könnten auch nur 40 oder aber 97 sein. Das dann aber mit entsprechend geringerer Wahrscheinlichkeit.

Was hat das ganze mit mir zu tun?
Zum einen ganz klar: Ich weiß nicht viel über Stochastik, aber die Normalverteilung ist ein schönes Stück Stochastik und Gauß war ein genialer Mathematiker. Aber zum anderen auch: Fluglinien belegen ihre Maschinen nach genau diesen Verteilungen. Wenn ein Airbus nun 180 Sitze hat, und die Erfahrung zeigt, dass nur 90 Prozent aller gebuchten Passagiere tatsächlich zum Flug erscheinen, dann sind erwartet nur 180*0,90 = 162 Sitze belegt. Und Gauß sagt nun, dass es ziemlich unwahrscheinlich ist, dass mehr als, sagen wir, 175 sitze belegt sind. Als schlaue Fluglinie verkaufen wir also nicht 180 Tickets, sondern 185 Tickets. Dann werden mit hoher Wahrscheinlichkeit höchstens 180 am Flughafen auftauchen. Voilá – 180 Plätze gehabt, aber 185 Tickets verkauft. Ich weiß nicht, was der durchschnittliche Ticketpreis ist, aber das rentiert sich! Meistens jedenfalls, denn Gauß sagt auch: Mit kleiner Wahrscheinlichkeit tauchen tatsächlich mehr als 180 Personen auf. Dann ist der Flug überbucht, und die Airline hat ein Problem. Dann muss sie z.B. einem Kunden 250 Euro dafür anbieten, dass er zwei Stunden später fliegt. Und wer dann am Gate ganz vorne steht, verdient dann so richtig Geld – dank Gauß!
ps. Das Überbuchen ist in meinen Augen auch der Hauptgrund, warum Tickets nicht übertragbar sind. Dann würde nämlich die Wahrscheinlichkeit, dass ein gebuchter Platz nicht besetzt wird, plötzlich stark sinken, man könnte ja den Flug auf Ebay verticken, wenn man selbst nicht kann. Aber das ist nur eine böse Theorie meinerseits…