Auf dem Open Forum in Davos
Heute geht das Weltwirtschaftsforum in Davos zu Ende. In den Nachrichten hat wohl jeder schon davon gehört, dieses Jahr war ich vor Ort. Natürlich war ich nicht auf dem eigentlichen Forum, das 2.600 Spitzenpolitikern, Wirtschaftsbossen, Religionsführern und NGO-Vertretern aus aller Welt vorbehalten ist. Wir waren auf dem Open Forum, das ebenfalls in Davos stattfindet, zu dem der Zugang aber öffentlich ist. Während nebenan die Entscheider der Welt tagen, finden auf dieser Bühne Podiumsdiskussionen zu verschiedenen globalen Themen statt. So gab es beispielsweise Gesprächsrunden zu Responsible Leadership in Times of Crisis?, Remodelling Capitalism oder auch Water: Scarcity and Stress. Die Podien waren durchwegs beeindruckend besetzt: Ehud Barak, Gordon Brown und Jean-Claude Trichet diskutierten z.B. über die verantwortungsvolle Führung in Krisen. Das ist natürlich ein Erlebnis – insbesondere, weil man solche Personen wohl selten so hautnah erlebt. Wer Gordon Brown nur aus dem Fernsehen kennt, würde wohl kaum glauben, wie witzig und unterhaltsam der Mann sein kann. Weniger witzig war der israelische Fizepräsident und Außenminister Barak. Auf die Frage aus dem Publikum, warum sich Israel terroristischer Methoden wie der gezielten Tötung von Terroristen bediene, antwortet dieser sinngemäß: Ja, ich war vor meiner politischen Karriere auch Agent des Geheimdienstes, ich habe auch undercover gearbeitet, ich habe mich für einen Einsatz sogar als Frau verkleidet, und wir haben nie jemanden getötet, der es nicht verdient hatte, zu sterben. Ende der Durchsage.
Fast zum Eklat kam es beim Podium zum Kapitalismus. Hier war eine Vertreterin von Occupy, die Protest-Iglus im Tal gebaut hatten, eingeladen. Nachdem sie als erste das Wort erteilt bekommen hatte, verlas sie eine Erklärung mit dem Tenor Hierarchien sind inakzeptabel, das WEF ist inakzeptabel, diese Veranstaltung ist inakzeptabel. Anschließend stieg “Maria” vom Podium, und einige Aktivisten im Publikum versuchten mit Hilfe des “Human Microphone” eine Verlagerung der Diskussion herab vom Podium und hinein ins Publikum zu erzwingen. Zum Glück war der Moderator so geistesgegenwärtig, abstimmen zu lassen, worauf die deutliche Mehrheit für einen Beibehalt des Formates votierte. In meinen Augen ein großes Glück, weil der vorgeschlagene Stuhlkreis mit über 300 Personen im Saal sicher nicht funktioniert hätte!
Es gäbe noch so einige Anekdoten zu erzählen, aber vielleicht wirken die Dinge nur, wenn man sie selbst erlebt. Den kilometerlangen (!) Stau von Audi A8 und Mercedes S-Klassen auf der Hauptstraße, besagter Ehud Barak mit sieben Leibwächtern auf offener Straße vor einem Schaufenster, Polizei, Sicherheitsdienst und Militär auf wirklich jeder Straßenkreuzung – es ist ein seltsamer Ausnahmezustand, der hier herrscht. Und natürlich ist die Frage berechtigt, wieviel die hier versammelte Elite von dem Leben der restlichen Menschheit verstehen, wenn sie ihre Entscheidungen treffen. Wie qualifiziert jemand über Resourcenschonung und Energiesparen reden kann, der jeden Meter mit einer 200.000-Euro-Limousine gefahren wird? Was versteht jemand, der mit acht Autos voller Leibwächtern bei einer Podiumsdiskussion vorfährt, von den Altagssorgen und existenziellen Sorgen der sieben Milliarden? Was wird noch in den demokratischen Parlamenten entschieden und was regelt eine Hand voll Menschen bei einem Abendessen in einem fernen schweizer Bergdorf?

























… fahren wir zu Weihnachten nach Berlin auf den 
















