Mrz
17
2011
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Mathematik bis der Arzt kommt

Seit einer Woche ist Anusch (aka. Prof. Dr. Taraz) hier, und abgesehen von Sonntag haben wir jeden Tag intensiv an unserem Projekt gearbeitet. Stundenlang, täglich, bis zur völligen Erschöpfung – ein Traum. Das ist jetzt keinesfalls ironisch gemeint. Wer schon eine Bachelorarbeit/Diplomarbeit/Promotion/etc. geschrieben hat, weiß wie kostbar die Betreuungszeit ist. Und dass ich hier gleich zwei “alte Hasen” habe, die mir (und unserem gemeinsamen Projekt) exklusiv ihre Zeit widmen ist schon der Wahnsinn. Und alles andere als selbstverständlich: Ich denke mal, ich habe in dieser Woche mehr mit meinem Betreuer über Mathematik diskutiert als andere Doktoranden in ihrer gesamten Promotion. (Herr L, Herr S. oder Herr W. von M3 werden das vermutlich bestätigen.) Und das Projekt scheint wirklich voranzukommen. Auch wenn ich mich immer noch nicht in der Lage sehe, hier zu erklären, was wir eigentlich machen. Aber es sieht so aus:

Randbemerkung: Nachdem mir Julia ein Jahr lang erzählt hat, dass ich mir keine Sorgen über den Erfolg unseres Projekts machen soll, hat sie diese Woche gesagt: “Jetzt bin ich zum ersten Mal optimistisch, dass wir das hinbekommen.” Da sollte wohl jemand Motivationstrainer werden…

Written by Andi in: Mathematik,On Tour,Sao Paulo | Schlagwörter: ,
Mrz
09
2011
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Beschäftigungstherapie

Nachdem meine Stimmung anfangs eher mäßig war, habe ich mir diese Woche Beschäftigungstherapie verordnet. Das heißt, ich fahre nach dem Frühstück an die Uni und erst im Dunkeln wieder nach Hause, um nach einem späten Abendessen ins Bett zu kippen. Das wirkt gleich doppelt: Unser Projekt kommt voran, und ich habe keine Zeit, trübsinnig zu werden. Was ich dann so den ganzen Tag an der Uni treibe, erzähle ich demnächst an dieser Stelle.

Einstweilen ein paar Bilder aus dem Büro, in dem ich meine Zeit verbringe. (Und ja, ich bin tatsächlich nicht den ganzen Tag am Strand. Schon auch deshalb weil Sao Paulo auf 700 Meter über N.N. und deshalb naturgemäß nicht am Strand liegt…)

Written by Andi in: Mathematik,On Tour,Sao Paulo | Schlagwörter:
Mrz
03
2011
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Erlegt nach 24 Stunden

Waren wir schnell. Gestern Nachmittag sind wir gleich in die Mathematik eingestiegen. Ich habe Julia erzählt, was wir so die vergangenen Monate an unserem Projekt gemacht hatten. Heute sind wir in die Details eingestiegen, und in denen steckt ja bekanntlich der Teufel. Um es kurz zu machen: Der Beweis hat einen Fehler. Den Fehler, den er eigentlich schon letztes Jahr hatte. Nur ist die Formulierung inzwischen so raffiniert, dass wir das gar nicht mehr gemerkt hatten. Julia schon. Das heißt, bei der Antwort sind wir noch nicht weiter als vor einem Jahr, bei der Frage allerdings schon. Das klingt jetzt zwar paradox, gibt mir aber die Hoffnung, dass wir dieses Mal nach dem richtigen Stück suchen. Wir werden sehen…

Weniger optimistisch stimmt mich das Wetter. Anscheinend hat sich der Sommer hier pünktlich zu meiner Anreise verabschiedet. Habe seit das Flugzeug die Reisehöhe verlassen hat keinen Sonnenstrahl mehr gesehen. Und es sieht auch nicht so aus, als ob sich das demnächst ändern würde:

Written by Andi in: Mathematik,On Tour,Sao Paulo |
Jan
29
2011
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60 Euro Mathematik

Heute hat mich das Distributivgesetz 60 Euro gekostet. Bzw. die Tatsache, dass jemand das Distributivgesetz nicht kennt, hat mich 60 Euro gekostet. Und das kam so:

Da ich meine Sonnenbrille im Chiemsee versenkt hatte, war Ersatz notwendig geworden. Und diesen Ersatz habe ich am Samstag gekauft. Auf obigem Bild sieht man (obere Hälfte), dass ein Paar Gläser mit Entspiegelung ganz klar 234,50 + 79,00 = 253,50 Euro kosten. Das sagte jedenfalls der Taschenrechner meiner freundlichen Beraterin. Offenbar ein Sonderangebot! Und es hätte alles gepasst, wenn nicht das Bestellformular den Preis pro Glas verlangt hätte. Ich hatte ja erwartet, dass man dazu einfach den Preis des Paares durch zwei teilt. Stattdessen hat die nette Dame die beiden Einzelpreise jeweils durch zwei geteilt (untere Hälfte), um diese anschließend zu addieren und wieder mit zwei zu multiplizieren. Nach Distributivgesetz muss nun

253,50 = (234,50 + 79,00) = (234,50/2 + 79,00/2) * 2 = (117,25+39,50) * 2 = 313,50

sein. Und so wurden aus 253,50 Euro doch wieder 313,50 Euro. Schade eigentlich!

Die traurige Wahrheit: Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich nicht über mangelhafte Rechenkünste lustig machen. Insbesondere, weil das Beschriebene keineswegs ein Einzelfall, sondern vielmehr ein Beweis des universellen Scheitern unseres Schulsystems ist. Offenbar schaffen wir es nicht, Schülern in 9+ Jahren Mathematikunterricht die elementarsten Fähigkeiten mit auf den Weg zu geben. Wobei das Problem wahrscheinlich schon im Stellenwert der Mathematik selbst besteht. Wer Fogel mit F schreibt, Beethoven für einen Maler hält oder nicht weiß, wann der 1. Weltkrieg war, wird schief angeschaut und darf sich fehlende Bildung attestieren lassen. Wer schon für das kleine Einmaleins den Taschenrechner braucht, der hat sich halt auf die wichtigen Dinge konzentriert. Und was sind schon 60 Euro…

Written by Andi in: Mathematik |
Jan
20
2011
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Die Besten der Besten der Besten, Sir!

Letztes Jahr war ich glücklich, mein zweites Paper eingereicht zu haben. Kaum promoviert man zwei Jahre…
Ein Mediziner hätte in der Zeit drei Promotionen geschrieben. Und zahlreiche Publikationen hervorgebracht. So wie folgendes Schmuckstück:

A mathematical model for the determination of total area under glucose tolerance and other metabolic curves. M.M. Tai. Diabetes Care, Vol 17, Issue 2 152-154

Der Autor entwickelt in dieser Veröffentlichung ein Verfahren, mit dessen Hilfe sich die Fläche unter einer Stoffwechselkurve berechnen lässt. Dazu teilt er die Fläche in Trapeze auf und summiert über deren Fläche. Laut Autor ist dieses Verfahren, das er bescheiden nach sich selbst Tai-Model nennt, “deutlich genauer als die üblichen verwendeten Methoden“. Als Dank erhält er 75 Zitierungen aus der medizinischen Welt.

Was soll ich sagen? Die Welt da draußen ist für einen Mathematiker manchmal ein schauerlicher Ort…

Written by Andi in: Mathematik | Schlagwörter: ,

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