Ohne größere Verluste
Heute ging der Workshop auf Frauenchiemsee zu Ende. Die extremalen Graphentheoretiker haben sich wieder in alle Welt zerstreut, und welche Ergebnisse diese Konferenz ermöglicht hat, werden wir wahrscheinlich nie erfahren. Insgesamt glaube ich, dass alle recht zufrieden mit dem Verlauf waren; alles wichtige ist ja auch gut gelaufen. Und ich habe auch mindestens ein interessantes Problem mit nach Hause gebracht, über das ich noch ein paar Tage nachdenken werde; auch wenn es vermutlich aus der Kategorie ‘schön aber unlösbar‘ ist. Aber man weiß ja nie.
Über das Kloster und die Benediktinerinnen gibt es natürlich auch noch etwas zu berichten. Einen Abend haben wir in einer kleinen Gruppe am Stundengebet teilgenommen – und prompt zwei Lesungstexte erwischt, die man eigentlich nicht unkommentiert stehen lassen konnte. Manchmal ist es eben nicht leicht, den Katholizismus zu verteidigen. Zum Beispiel dann, wenn du mit einer jungen, selbstbewussten Professorin folgenden Text verkündet bekommst:
“Denn die Frau soll nicht lehren, sie soll nicht über den Mann herrschen, [..] sie kann nur geheiligt werden, indem sie Kinder gebärt”
(frühchristlicher Text nach Timotheus 1 2,12-15)
So steht es jedenfalls im Brevier der Benediktinerinnen. Meine Begleiterin kommentiert das folgendermaßen: “Manchmal gehe ich einfach in die Kirche, damit ich wieder weiß, warum ich nicht mehr in die Kirche gehe.” Was soll ich da noch sagen?
Insgesamt hatte ich also eine sehr interessante und unterhaltsame aber auch herausfordernde Woche. Das einzige, was es nicht gebraucht hätte, war, dass ich meine Sonnenbrille am Donnerstag beim Schwimmen im Chiemsee versenkt habe. An jenem Steg so ziemlich genau da, wo das Boot geparkt ist. Genau da, wo das Wasser gut vier Meter tief und der Seegrund voller Pflanzen ist. Da haben auch eine Stunde Tauchgänge nichts mehr gerettet. Und mit dem Untergang der Sonnenbrille kamen Erinnerungen an zehn Jahre voller gemeinsamer Radtouren, Klettersteige, Sandstrände und Südsonne wieder an die Oberfläche. Was hatten wir gemeinsam erlebt! Jetzt lugen die Fische durch ihr prächtiges Violett und meine drei Dioptrien. Wer weiß schon, wie viele Chiemsee-Saiblinge kurzsichtig sind?
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