Es hat dann übrigens doch was zu Essen gegeben. Der Flug war überhaupt sehr angenehm. Ich habe viel geschlafen und bin gut ausgeruht um sieben Uhr Ortszeit (= MEZ – 4h) von Board gegangen. Die Passkontrolle hat eine Ewigkeit gedauert, und die Geldautomaten haben es auch sehr spannend gemacht. Aber der dritte hat mir dann Reais (Wechselkurs ca. 2.4 Reais / 1 Euro) gegeben. In den Schlangen vor den Geldautomaten bin ich mit einem deutschen Bauingenieurstudenten ins Gespräch gekommen, der gerade ein Stadion in Kapstadt gebaut hatte, und jetzt unterwegs zu einem Wasserkraftwerk in Iguazú war. Dort sind übrigens auch die legendären Wasserfälle.
Die Busfahrt zu Julia war nicht ganz einfach und hat mich insgesamt fast drei Stunden gekostet. Ganz ohne Portugiesisch und nur mit einem kleinen Ausdruck aus Google-Maps, zwei Mal umsteigen mit Bussen, die nie so recht erkennen lassen, wie denn die nächste Haltestelle heißen könnte. Dabei habe ich auch gelernt: die wenigsten Leute können Karten lesen, oder hilfreiche Antworten auf mein fragendes Deuten geben. Besonders ungünstig ist es übrigens, wenn ein Ziel an einer langen Hauptstraße liegt: Ah, Faria Lima! Ja, da sind wir schon genau richtig. Ist doch egal, ob die Straße 10 Kilometer lang ist, und man vielleicht ans entgegengesetzte Ende muss. Irgendwie bin ich trotzdem angekommen. Seitdem waren alle so beeindruckt von dieser Heldentat, dass ich sie mir im Nachhinein gar nicht mehr getraut hätte.
Wenn man dann denkt, man wäre am Ziel, gibt es noch eine extra Überraschung. Die brasilianische Mittelschicht verschanzt sich ja hinter meterhohen Gitterzaunen und Stacheldraht. Außen gibt es Klingelknöpfe, die aber nur mit Appartementnummern und nie mit Namen beschriftet sind. Und die hatte ich mir natürlich nicht aufgeschrieben…
Also Notebook ausgepackt, kurz geflucht, weil mich mein IMAP-Konto die Nachrichten nicht offline lesen lässt, dann doch ein offenes Wlan und damit die Appartementnummer gefunden.
Seitdem ist alles ganz einfach. Julia just cares for me.