Begegnungen
Am Samstag bin ich umgezogen. Das war so geplant, weil seit gestern Julias Eltern in Sao Paulo sind. Ich wohne jetzt bei Dona Vitoria, einer freundlichen Lady, die Zimmer in ihrer Wohnung vermietet. Dona Vitoria gibt eine prima italienische Mamma ab. Obwohl mir nicht ganz klar ist, woher sie letztendlich kommt. Anscheinend hat sie Vorfahren in einer ganzen Reihe von europäischen Ländern. Jetzt lebt sie jedenfalls hier, bäckt gutes Brot und beherbergt vagabundierende Mathematiker. Sie kocht für mich die ganze Palette brasilianischer Köstlichkeiten und sorgt sich auch ansonsten in jeder Hinsicht um mein Wohl. In den verbleibenden Tagen wird es mir voraussichtlich an nichts mangeln.
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| Maracuja | Papaya | Kaki |
Ich bin froh, dass ich schon zwei Wochen Brasilienerfahrung sammeln konnte, bevor ich jetzt alleine auf das Land losgelassen werde. Es sind schließlich nicht alle Einheimischen von der korrekten Sorte. Das habe ich heute am Markt erfahren. Zum ersten Mal alleine Obst kaufen, und schon wird man über den Bananenstand gezogen. Versucht hätten sie es jedenfalls. Wenn man portugiesische Zahlen nur schnell genug ausspricht, versteht natürlich kein Tourist was – das ist jedem Obsthändler, der sein Geschäft versteht, klar. Deshalb hieß es plötzlich, ich sollte für eine Melone, eine Ananas, zwei Papaja, vier Mango und ein paar Kaki 39 Reais zahlen. Der Preis wäre ja in Deutschland ganz in Ordnung, aber nicht hier! Dummerweise hatte mein dreister Obstfeilscher schon meinen 50er in der Hand. Und erklär’ mal jemandem, der dich nicht verstehen will, dass er dein Geld wieder rausrücken soll, wenn es nicht augenblicklich billiger wird. Was mein fehlendes Portugiesisch nicht konnte, haben vielleicht die 40 cm Größenunterschied bewirkt. Letztendlich bin ich mit stolz geschwellter Brust und dem Obst für 23 Reais von dannen gezogen. Altes Schlitzohr, nicht mit mir!
Sonntag ist immer Sightseeing-Tag. Deshalb waren wir heute im Ibirapuera Park – dem größten Park der Stadt. Mit seinem großen See und der umgebenden Skyline sieht es hier fast wie im Central Park in Manhatten aus. Oder so, wie ich mir vorstelle, dass es im Central Park in Manhatten aussehen könnte. In diesem Park gibt es einige sehr eigenwillige Architektur, die von dem wohl bekanntesten zeitgenössischen Architekten des Landes Oscar Niemeyer entworfen wurde. Moderne brasilianische Architektur sieht also folgendermaßen aus:
Das Auditorio Ibirapuera




Die Jungs von der Uni haben mich also zu einem Spiel von SPFC in der Copa Libertadores, der Championsleague von Südamerika, mitgenommen. Um es gleich zu sagen: Die Stimmung war bestens, auch weil die Gastgeber haushoher Favorit waren und 3:0 gewonnen haben. Ohne viel Ahnung von Männern, die nach Bällen treten, zu haben, attestiere ich dem brasilianischen Fußball eine Eleganz, die man aus Deutschland nicht kennt. Hier wird gedribbelt, blind nach hinten durchgepasst und auch im gegnerischen Strafraum noch eine dreizügige Kombination gespielt, ohne gleich den Ball in Richtung Tor zu dreschen. 

