Copa Libertadores
Manchmal muss man weit fahren, um endlich das zu tun, was man daheim schon lange vorhatte. Mein erstes Rockkonzert in St. Petersburg fällt in die Kategorie. Da ist man schon ein totaler Langweiler und lebt an der Jugendkultur der eigenen Zeit völlig vorbei, nur um sie dann auf einem Uniseminar zu entdecken. So läuft das. Heute war ich – ebenfalls zum ersten Mal in meinem Leben – bei einem Fußballspiel. So richtig mit Stadium und 30.000 Leuten. Fußball ist ja brasilianische Leitkultur. Und wenn man in einem Land ist, in dem das erste gesprochene Wort eines Kleinkindes nicht “Mama” sondern der Name der väterlichen Fußballmannschaft ist, kann man sich dem Phänomen nicht entziehen.
Die Jungs von der Uni haben mich also zu einem Spiel von SPFC in der Copa Libertadores, der Championsleague von Südamerika, mitgenommen. Um es gleich zu sagen: Die Stimmung war bestens, auch weil die Gastgeber haushoher Favorit waren und 3:0 gewonnen haben. Ohne viel Ahnung von Männern, die nach Bällen treten, zu haben, attestiere ich dem brasilianischen Fußball eine Eleganz, die man aus Deutschland nicht kennt. Hier wird gedribbelt, blind nach hinten durchgepasst und auch im gegnerischen Strafraum noch eine dreizügige Kombination gespielt, ohne gleich den Ball in Richtung Tor zu dreschen.
Die Fans sind natürlich voll dabei, die ganzen 90 Minuten sitzt niemand auf seinem Platz, alles schreit, schimpft und jubelt mit. Und dank meinem besonders enthusiastischem Nebenmann (der nicht zu uns gehört hat), habe ich jetzt wahrscheinlich alle Schimpfwörter, die das moderne Portugiesisch bietet, schon mindestens ein Mal gehört…

Das Stadium von São Paulo Futebole Clube
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