Vorweihnachtliche Stattreisen
Wer in München eine kreative Stadtführung erleben will, sollte sich den Namen Stattreisen merken. Dieser Verein bietet eine Fülle von themenbasierten Stadtführungen in und durch München an. Heute hatte ich das Vergnügen, die Führung “Streifzug durch das vorweihnachtliche München” zu besuchen. Dieser Rundgang beschäftigt sich ausschließlich mit bayrischen Weihnachtsbräuchen und den christlichen Festen in der Advents- und Weihnachtszeit. Und da wird es auch schon interessant. Wann ist denn überhaupt die Adventszeit? Und wie lange dauert die Weihnachtszeit? Unsere Stadtführerin – ein echtes münchner Original ließ uns raten, und ich kann schon so viel sagen: Trivial ist die Antwort nicht!
Für mich war überhaupt einiges sehr überraschend. So ist der Weihnachtsbaum vermutlich eine Erfindung von Luther, und in einem guten katholischen Haus gab es nur eine Grippe. So war das jedenfalls im ländlichen Bayern bis zum zweiten Weltkrieg. Der Adventskranz wurde 1839 in Hamburg erfunden und hatte ursprünglich nicht nur vier Kerzen. Der erste Adventskalender wurde 1904 in München gedruckt. Und bis vor 60 Jahren war es durchaus üblich, dass der Heilige Nikolaus und nicht das Christkind in der Nacht auf den 6. Dezember die Geschenke gebracht hat. Eine richtig alte Erfindung sind dagegen Weihnachtsmärkte, die es bereits im 14. Jahrhundert ebenfalls zum Fest des Hl. Nikolaus gab. Nach der Reformation viel dieser Brauch zeitweise in Ungnade und wurde als lutherisch diffamiert.
Noch viel mehr gäbe es zu berichten über Bräuche zum Jahreswechsel, die Weihnachtsgurken, die Mettensau oder bayrische Köstlichkeiten zu den Festtagen. Einen kleinen Vorgeschmack durften auch wir ernaschen: in der Führung war eine Pause mit Glühwein und Lebkuchen enthalten. Und nun zur Auflösung der Frage nach Advents- und Weihnachtszeit.
Die Adventszeit beginnt mit dem Fest des Heiligen Martin am 11. November und dauert bis einschließlich Heilig Abend. Wie jedem christlichen Hochfest geht auch dem Weihnachtsfest eine vierzig-tägige Fastenzeit voraus. Dabei ist zu beachten, dass die vier Adventssonntage keine Fastentage waren. Deshalb: 44 – 4 = 40. Die anschließende Weihnachtszeit dauert nicht etwa bis Heilig-Drei-König, sondern bis Lichtmess, welches am 2. Februar stattfindet. Wer hätte das gewusst?