Der Herr links war ja der Haus- und Hofkomponist von König Ludwig II. – die Amerikaner sagen auch “The mad king“. In ihrem Wahn scheinen sich da die richtigen gefunden zu haben. Der eine baute gerne Schlösser, der andere mietete sie nur. Das habe ich jedenfalls heute in Bayreuth gelernt. Dort fand der diesjährige Bayerntag der KAS statt, in dessen Zug wir auch in den Genuss einer Stadtführung gekommen sind. Gut, der Genuss wäre größer gewesen, wenn es nicht so erbärmlich kalt gewesen wäre. Offenbar liegt nicht nur Hof in bayrisch Sibirien…
Aber zurück zu Wagner. Offenbar war der große Komponist rein physisch eher ein Zwerg. Seine 1,50m kompensierte er dann dadurch, an jedem Ort, an dem er arbeitete, die luxoriöseste Villa zu mieten und dort rauschende Feste zu feiern. Deshalb war er ständig auf der Flucht vor seinen Gläubigern und zog deshalb gut ein Dutzend Mal von einer Stadt in die nächste. Er war aber nicht nur wegen seiner Schulden auf der Flucht. Auf Grund seiner Verwicklung in den Dresdner Maiaufstand 1849 war Wagner in Sachsen auch ein steckbrieflich gesuchter Terrorist. Später wurde er dann der Lieblingskomponist des jungen, 1,93m großen, bayrischen Königs, der in so großzügig förderte, dass schließlich das Volk gegen die Verschwundungssucht aufbegehrte, und Wagner wieder weiterziehen musste. In Bayreuth lies er schließlich das Festspielhaus und seine Villa Wahnfried erbauen, in deren Garten er seit seinem Tod 1883 unter einer großen Granitplatte liegt. Der junge verrückte König ertrank dann 1886 im Starnberger See und liegt jetzt in der Michaelskirche in München.
Es bleibt die lustige Vorstellung, wie es wohl gewesen sein muss, als ein kleinwüchsiger Terrorist und genialer Musiker für einen viel zu jungen und verrückten König in einer Grotte in Linderhof Schwäne über einen künstlichen See fahren lies.