Nov
15
2009

Besinnliches

Glücklicherweise gibt es das nicht, was 80% der Katholiken für Gott halten.” Auf solche und noch schärfere Thesen muss man sich einstellen, wenn man mit Pater Keller auf ein Besinnungswochenende fährt. Dabei hat der Jesuit und Sprachphilosoph alles andere als Häresie im Kopf. Ganz im Gegenteil: Seine Vorträge sind ein überzeugendes Plädoyer für einen fundierten christlichen Glauben.
Dabei verdient bereits das Wort “Glauben” seine gründliche sprachphilosophische Analyse. Dieses Verb wird im Deutschen in mindestens vier Bedeutungen verwendet. Glauben im Sinne von

  • vermuten
  • für wahr halten
  • einem Menschen glauben
  • an einen Menschen glauben / sich auf einen Menschen verlassen

Demnach müsste ein großer Teil unseres sogenannten Wissens eigentlich als Glauben deklariert werden, da wir viele Fakten übernehmen, ohne sie jemals nachzuprüfen. Was zuerst wie ein Wortspiel klingt, hat dabei durchaus weitreichende Konsequenzen. Eines der größten Missverständnisse besteht nämlich darin, den christlichen Glauben als Glauben im Sinne von “für wahr halten” zu verstehen. Dieser sogenannte Satzglaube ist keinesfalls gemeint, wenn in der Bibel über den Glauben an Gott gesprochen wird. Gemeint ist das Vertrauen in Gott, der sogenannte Hingabeglaube.
Aus dieser Position kann der Sprachphilosoph die Bibel als nettes Märchenbuch (“Literarisch sehr wertvoll, wie Grimmsmärchen!“, “Da könnte ich ihnen genauso ein Nibelungenlied vorlesen.” Zur Erklärung: Es ging um die Genesis.) verstehen, geschrieben im Kontext der Entstehungszeit und für unsere Gegenwart oft unverständlich und faktisch falsch. Der Hase ist nun mal kein Wiederkäuer (3. Mose 11,6), aber was ändert das an den Grundwerten und Überzeugungen für die das Christentum steht?
Leider ist es mir nicht annähernd möglich, die Kunst und die bestechende Logik wiederzugeben, mit der Pater Keller seine Argumente aufbaut. Seine Vorträge, gespickt mit Anekdoten und Denkanstößen, sind eine Herausforderung und ein Genuss. Wer ihn bereits erlebt hat weiß, wovon ich spreche.
Pater Keller beim Vortrag

Written by Andi in: On Tour | Schlagwörter: ,

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