Nov
03
2009

Völkerverständigung

Es gibt ja ganze Studiengänge, die sich mit interkulturellen Unterschieden beschäftigen. Wer heute meine Küche gesehen hätte, würde diesen Forschungsbedarf sofort verstehen. Carlos ist ein netter Kerl, und die Tatsache, dass er vier Sprachen fließend spricht und schon mit 29 Jahren eine Professur bekommt, lässt keine Zweifel, dass der Mann nicht wüsste, was er tut. Aber das Schlachtfeld, in das er meine Küche innerhalb einer halben Stunde verwandelt hat, kann man sich wirklich schwer vorstellen.
Vielleicht ist meine Mutter über das Ziel hinausgeschossen, als sie mich darauf konditioniert hat, Arbeitsflächen sauber zu halten, Deckel auf Töpfe zu legen, oder nicht mehr Wasser zu verpritscheln, als unbedingt notwendig. Diese german Gründlichkeit ist heute auf die südamerikanische Leichtigkeit des Seins getroffen. Carlos ist z.B. der Meinung, dass Pasta nur dann gut wird, wenn das Wasser ordentlich kocht. Wenn man dann noch den Topf bis zum Rand mit Wasser füllt hat man – schwupdiwup – einen kleinen Küchengeysir. Nett. Ich wusste nicht, dass Brasilianer Nudelspezialisten sind, aber die Pasta (mit Feta und Spargel) war echt lecker. Und der Küchenboden musste eh mal wieder gewischt werden. Carlos hat das mit einem “I appreciate a thorough cleaning.” kommentiert. Abends, wenn er müde ist, sprechen wir nämlich Englisch; er sagt das wäre weniger anstrengend.

Written by Andi in: Allgemein | Schlagwörter:

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