Erfahrungen beim Mittagessen
Unser Lehrstuhl geht jeden Mittag gemeinsam zum Essen. Das ist sehr nett, weil wir da meistens nicht über Mathematik reden, sondern auch mal über ganz belanglose Dinge. Oder über Politik oder den Sinn des Lebens. Ich weiß nicht mehr wie, aber heute sind wir bei der Frage Gibt es heute noch Frauen, die “einen gut verdienenden Mann heiraten und Hausfrau werden” dem Berufsleben vorziehen?
Ich hätte nicht überrascht sein sollen, dass unsere selbstbewussten und erfolgreichen Damen davon aber gleich gar nichts hören wollten. Dass die erfahrenen Lehrstuhlmänner an dieser Stelle schweigend die Soßenreste auf ihrem Teller zu studieren begannen, hätte auch ein Hinweis sein können, wie dünn das Eis war, auf das ich mich hier begeben hatte. Aber ich wollte es wohl nicht anders. Und weder meine Erfahrungen aus dem Zivildienst, noch die Tatsache, dass ein drittel der Frauen, mit denen ich jemals eine Beziehung geführt habe, genau das zum erklärten Ziel ausgerufen hatten, wurde als Argument anerkannt. Denn es kann nicht sein, was nicht sein darf! Das Gespräch wurde dann auch auf eine sehr direkte Art beendet…
Meine lieben Damen, ich glaube hier liegt ein Missverständnis vor! Weder wollte ich irgend einer Person männlichen oder weiblichen Geschlechts unterstellen, dass es seine/ihre Absicht wäre, sich durch eine Heirat ein faules Leben zu organisieren, noch bin ich der Meinung, dass dieses Verhalten wünschenswert oder der Normalfall ist. Auch meine Vorstellung einer Partnerschaft sieht ganz anders aus als das Rollenbild von Eva Herman! Und warum müsst ihr euch wegen einer kleinen Randbemerkung zwischen zwei Bissen Käsespätzle gleich so auf mich stürzen?
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