Mein letztes Seminar mit der KAS. Die vergangenen fünf Tage war ich auf einem “Radseminar” in der “Euregio“. Die Euregio ist das Gebiet, in dem Deutschland, Belgien und die Niederlande aneinandergrenzen und Radseminar ist, wenn man sich dabei noch mehr bewegt, als vom Speisesaal in den Seminarraum.

Amerikanischer Soldatenfriedhof Margraten
Ausgehend von Aachen und Karl dem Großen um 800 sind wir also vier Tage durch drei Länder gefahren und haben dabei etliche interessante Begegnungen mit der jüngeren Geschichte, der Gegenwart und der möglichen Zukunft gehabt. Wir haben von Kaffeeschmugglern an der deutsch-belgischen Grenze gehört, von niederländischer Bildungspolitik, der Bewerbung Maastrichts um die Kulturhauptstadt Europas 2018, dem Konflikt zwischen Flamen und Wallonen, den es gar nicht gibt, von der frühen Industrialisierung Eupens und dessen Niedergang im Preußischen Reich. Wir haben mit zwei Geschichtsprofessoren, einem Europaabgeordneten, einem Schulmanager, einem Nato-Offizier, vier Bürgermeistern, einem Campingplatz-Besitzer, dem Kultusminister der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien (73.000 Mitglieder) und einem ganzen Seminar “European Studies” sammt zugehörigem Professor diskutiert. Letzterer war übrigens der Meinung, dass man Europa nicht mehr “in die Tiefe” entwickeln könne, sondern nur noch “in die Breite”. Dementsprechend hat er vorgeschlagen, die Türkei, die Ukraine, Marokko, Südafrika und Chile in die EU aufzunehmen – ernsthaft! Alle anderen Gespräche wären sehr informativ.

Kerkrade - Herzogenrath: das Eurode-Business-Center (mit Landesgrenze im Voyer)
Das Beste an Seminaren mit der KAS ist natürlich immer die euphorische Stimmung unter allen Teilnehmern, und das auch unter verschärften Bedingungen in freier Wildbahn. Oder gerade dann! Wir waren alle überrascht, wie gut sich die Gruppe selbst organisiert hat, Nachzügler eingesammelt, Platten geflickt und Wege gefunden wurden. Und beim Radfahren – oder auch am Abend nach dem Radfahren – ergeben sich tausend Gelegenheiten für die unterschiedlichsten Gespräche. Das Schlafdefizit, das damit automatisch einher geht, fordert natürlich seinen Tribut. Ich war vielleicht nicht der einzige, der während eines Vortrags mal kurz eingepennt ist, aber ich war definitiv der einzige, der im Schlaf lauter redet, als der Referent…