Doping am Watzmann
Der Watzmann – ein Projekt, das wir schon seit über einem Jahr mit uns herumtragen. Im Sommer 2007 hatten mein Vater und Elisabeth beschlossen, dass Deutschlands dritthöchster Berg bestiegen werden müsse. Also haben wir uns diesen Samstag auf den Weg an den Königssee gemacht. Johanna war auch dabei, und so sind wir vier – bei gelegentlichem Regen – auf das Watzmannhaus (1930m) gegangen, wo wir übernachteten. Die 210 Betten waren komplett belegt, und uns dämmerte, dass wir nicht ganz allein sein würden. Aber die Wetterprognose war gut, und als wir um 6:15 Uhr aufstehen, empfängt uns der erste Sonnenschein.

Wir machen uns zügig auf den Weg, und schon kurz nach neun stehen wir am ersten Gipfel, dem Hocheck (2.651 m). Dort verlässt uns Johann, die wieder zur Hütte absteigt, um von dort zum Parkplatz zurückzugehen. Wir drei nehmen den Grat zur Mittelspitze (2.713 m) und weiter zur Südspitze(2.712 m) in Angriff. Wie der Name Grat schon sagt, ist dieses Stück sehr ausgesetzt und eine ziemliche Kletterei. Dafür hat man einen grandiosen Ausblick auf den Königssee und das Wimbachtal, durch das wir absteigen werden. Unterwegs überholen wir geschätze 50 Leute, was daran liegt, dass diese mit voller Klettersteigausrüstung und Helm unterwegs sind. Unser Vater ist der Meinung, dass das doch etwas übertrieben sei.

Blick vom Hocheck auf die Mittelspitze; In der Mitte des Bildes ist ein Bergsteiger zu erkennen.
Wir schaffen es unbeschadet zur Südspitze, wo das eigentliche Drama, der 2000 Höhenmeter lange Abstieg, beginnt. Ich stelle mal wieder fest, dass ich nicht für’s bergab-Laufen gebaut wurde, und bleibe fast auf der Strecke. Am Schluss tut mir mein verdammter Knick-senk-spreitz-weiß-der-Teufel-was-Fuß so weh, dass ich mehr auf einem Bein hüpfe, und meine Schwester meinen Rucksack für mich tragen muss. Bei unserer letzten Rast lasse ich mir im Wimbachhaus ein Ibuprofen geben. So schaffe ich es immerhin zurück zum Parkplatz – ohne Rucksack. Das ist mir in meiner Bergsteigerkarriere noch nie passiert…

