Triple-Feature
Oder in unserer schönen Muttersprache: ein dreifaches Erlebnis. Bausparvertrag, Kernkraftwerk und Schlesien – das hat mich heute beschäftigt. Den Vormittag habe ich in Ergolding genutzt, um mich endlich um meine “Vermögen” zu kümmern. Aus Zeiten meines Zivildienstes hatte ich nämlich noch einen kleinen Bausparvertrag, der inzwischen fällig geworden war. Deshalb hat mich meine Kundenberaterin zu einem Gespräch eingeladen. Um es kurz zu machen: Falls ich mich jemals bei dieser Bank gut betreut gefühlt habe, ist diese Illusion jetzt korrigiert.
Es mag sein, dass ich in einigen Punkten sehr wenig informiert bin. Aber in welchem Beraterhandbuch steht bitte, dass man das als Steilvorlage nutzen soll, um dem Kunden mal wieder das Gefühl zu geben, ein wirklicher Depp zu sein, weil er die Begriffe Eigenheimzulage und Wohnungsbauprämie verwechselt, oder nicht weiß, dass die Abgeltungssteuer nicht in der Steuererklärung auftaucht. “Das könnte ich Ihnen schon erklären, aber das würde das ganze Wochenende dauern,…” – was soll ich da noch sagen?
Bausparvertrag, Investment Font, Riester-Rente – solange die Prämie stimmt, verkaufen wir ihnen alles! So das offizielle Motto hier. Da weiß man doch gleich, was man ist: die Prämienkuh, die geschlachtet wird!
Weiter geht’s so:

Nach diesem Beratungs-GAU kam der angenehme Teil des Tages, der Grund, warum ich überhaupt nach Landshut gekommen war. Mit der KAS-Ortsgruppe besichtige ich das Kernkraftwerk Isar II. Beeindruckend! Wirklich beeindruckend! Von außen sieht so ein Kernkraftwerk ja sehr übersichtlich aus: Reaktorkuppel, Turbinenhalle, Kühlturm, fertig! Aber wenn man dann mal drin steht… Bevor es so richtig losgeht kommt die Sicherheit: Kerntechnische Überprüfung (Personalausweisnummer für Herrn Schäuble bitte), Sicherheitsbelehrung, Kontaminationstest, Metalldetektor, Personenkontrolle. Verglichen damit ist ein Flughafen ein Kindergarten. Dafür kommt man anschließend auch bis direkt an die Brennstäbe ran. Wirklich! Nach ungefähr vier weiteren Verstrahlungskontrollen und genauso vielen Drehkreuzen betreten wir mit Ganzkörper-Schutzanzug die geweihten Hallen der deutschen Energiewirtschaft. Wir stehen am Abklingbecken, in dessen tiefblauen Wasser die Brennelemente friedlich lagern; an der Decke zwei Kameras der Internationalen Atomenergie Behörde (IAEA), die überwachen, dass hier keine Kernwaffen hergestellt werden. Danach spazieren wir in den Reaktorleitstand, wo auf hunderten von Anzeigen alle Parameter des Kraftwerks über die Bildschirme laufen. In der Turbinenhalle steht schließlich der Generator, der momentan 1,5 Gigawatt ins Netz bläst. Die gigantischen Dimensionen werden besonders dort deutlich, wo man durch Gitter einige Stockwerke hinabsehen kann – schwer zu beschreiben. Ich kann die Führung wirklich nur empfehlen. Anmeldung für Kleingruppen bis sechs Personen ist direkt am Besucherinformationszentrum des Kraftwerks möglich. Dort gibt es auch zum Abschluss noch eine Brotzeit und wir haben Gelegenheit, mit unserem Führer zu diskutieren. Der lässt sich allerdings nur sehr schwer auf Aussagen festnageln – ein wirklicher Profi für Öffentlichkeitsarbeit eben. E-ON ist gut, Kernenergie ist gut, das KKI ist gut – soviel ist klar!
Um halb sieben geht es in Caros Polo zurück nach München, wo bereits Damians Vortrag für den Themenabend Schlesien läuft. Ich verpasse leider den größten Teil einer sehr interessanten und gut präsentierten Zusammenfassung von 1200 Jahren Kulturgeschichte eines einst sehr wohlhabenden Landes. Der Vortrag endet mit dem Aufruf “Lasst uns nicht um Ruinen streiten, lasst uns Neues aufbauen!“. Johann hat Spezialitäten aus seiner Heimat gekocht und insgesamt nicht weniger als vier Gänge gezaubert. Leider kann ich mir die Polnischen Namen nicht merken, es sei aber gesagt, dass alles äußerst lecker ist!
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