Zwei Welten
Sankt Petersburg – Gegensätze wie sie stärker nicht sein könnten. Herrliche Prachtbauten und dutzende von alten Meistern auf der einen, verfallende Jugendstilhäuser und rostige Autowracks auf der anderen Seite. Alter Glanz und neue Tristesse. Menschen, denen das Nötigste zum Leben fehlt und die größte Ansammlung von Luxusautos, die ich je gesehen habe. Ein weltberühmter Mathematikprofessor, der vom Staat schlechter bezahlt wird als seine Studenten, die für amerikanische Konzerne programmieren.
Die Russen, die ich kennengelernt habe, sind intelligent, fleißig und bescheiden. Mit 17 fangen sie an zu studieren, mit 22 haben sie einen Abschluss. “Dafür ist die Lebenserwartung auch nur 56 Jahre,” erklärt mir einer. Vom großen Optimismus ist nichts zu spüren. Keiner sagt, dass er der Generation angehört, für die alles besser wird. Und trotzdem: alle arbeiten hart für die Chancen, die sie hier nicht geschenkt bekommen.
Umso bewundernswerter finde ich die Gastfreundschaft mit der wir aufgenommen wurden, den Stolz, mit dem sie uns durch ihre Heimatstadt geführt haben, und die Offenheit gegenüber denen, die ich an ihrer Stelle nur beneidet hätte.


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